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Zum Greifen nah.
Wow, was für ein Himmel! Diese Wolken – unglaublich! Wenn ich rausgehe, muß ich unbedingt den Fotoapparat mitnehmen!
Hab‘ ich natürlich
vergessen. Also marsch, marsch, zurück. Das muß ich fotografieren! Diese Wolken – das gibt es doch nicht!
Zum Greifen nah schweben sie über mir, wirklich zum Greifen nah! Ich
brauche nur eine Leiter und schon wäre ich oben bei ihnen.
Hunderte, ja tausende Engel schweben da oben mit mächtigen Schwingen, mit zarten Flügelchen oder mit einem leichten Hauch von
Nichts.
Riesige Federpaare stehen über mir. Ich muß die Arme ausbreiten und mitfliegen. Und natürlich stehenbleiben und fotografieren. Als ich weitergehe erschreckt mich eine
Radlerin.
Sie bleibt abrupt neben mir stehen: “Jetzt habe ich Sie für eine Statue gehalten, die verzückt in den Himmel schaut – und dann einfach weitergeht!” ruft sie und
radelt weiter.
Statue? Nein! Ein Engel, der da oben mitschweben möchte und die Erdschwere jetzt doppelt spürt. Aber ein Blick nach oben genügt.
Ich kann mich gar nicht sattsehen und
fotografiere und fotografiere. Da! Ein Flügel, jede Feder einzeln gezeichnet, dort ein kuscheliges Etwas, das man gleich anlegen möchte.
Und erst der Himmel! Zuerst ein sattes Blau, voll und
kräftig. Dann wird der Farbton weicher und immer weicher.
Mit dem Verschwinden der Farbe verwischen sich leider auch die Konturen der Wolken. Aber auch die weißen Bänder schauen noch gut
aus.
Und dann ist der ganze Zauber weg, spurlos verschwunden. Ein fader Himmel mit einem Stich ins Graue bringt den Alltag wieder.
Ich falte meine Flügel wieder zusammen und gehe im
Abglanz der Erinnerung ins Büro hinauf.
Gabriele Fleischhacker 16.9.2002
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