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Schneezauber
Oh wie schön! Dicke weiße Flocken schweben herab, drehen sich elegant im Walzerschritt.
Es sind ausschließlich Damen. Ihre weiten, weißen Tellerröcke in den verschiedensten
Mustern wogen und zittern - und schmelzen leider in meiner Hand.
Frischer Wind kommt auf, bringt diese wundervolle Tanzformation völlig
durcheinander. Eine wilde Rugby-Bande tobt sich jetzt aus.
Ich klappe den Kragen hoch verkrieche mich darin, wickle den Schal fester. Daheim
werde ich gleich die Kapuze einknöpfen!
Was ist jetzt los? Die Flocken werden immer kleiner, immer dichter fallen sie
herab. Wie ein weißer Gazevorhang verhüllen sie die Sicht.
Ich wäre jetzt zuhause, aber ich mag gar nicht reingehen. Es ist einfach zu
schön. Wie verzaubert stehe ich inmitten dieser unwirklichen Welt.
Rechts und links von mir erstreckt sich ein weißer Teppich. Mit Bedacht trete ich
nun ein Mandala-Muster in den Schnee links von mir.
Oh, es hört auf! Das ist gemein! Jetzt scheint wieder die Sonne. Sie blendet
direkt nach diesem diffusen Schnee-Licht.
Ich stapfe im knirschenden Schnee auf den Hauseingang zu, drehe mich Abschied
nehmend um. Die ganze Welt glitzert und gleißt wie mit Sternenstaub überzogen!
Wunderschön. Alles ist wunderschön! Zuerst dieser Walzer-Schnee, eins, zwei, drei -
eins zwei drei, dann der ins Gesicht beißende, unbändige Rugby-Schnee.
Anschließend der alles unwirklich machende Gaze-Schnee, mein tolles Mandala und
zum Schluß diese märchenhafte Glitzerwelt!
Die Welt ist schön! Alles ist schön! Trotzdem wird mir langsam kalt. Jetzt
brauche ich einen heißen Tee. Ich gehe rein.
Wohlig genieße ich die Wärme in der Wohnung. Meine Wangen prickeln - und erst meine
Nase! Ich stehe am Fenster und schaue hinaus, warte, bis das Teewasser kocht. Die Welt ist schön.
Gabriele Fleischhacker 13.12.2001
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