|
Chii
Er
zeichnet weiche Konturen, große, fragende, neugierige Augen, ein Stupsnäschen und einen Schmollmund, der immer ein wenig offen steht.
Und erst das Haar! Verschwenderisch wallt es den Körper
hinab bis zu den niedlichen Zehen, umschmeichelt den üppigen Körper, wilde Locken spielen Fangen mit dem Wind.
Als I-Tüpfelchen, als Höhepunkt, als Blickfang – als ob dieses
Mädchen so etwas bräuchte – zeichnet er ihr wunderschöne Kleider:
Farbenfroh, fröhlich schwingend, mit grazilen Blütenmustern, dass man sich gar nicht satt sehen kann, mit Volants,
Rüschen oder Spitzen, mit Bändern, die keck im Wind flattern, geknöpft – oh‘ diese matt schimmernden Knopfreihen – gebunden – in wunderbaren Flechtornamenten – gegürtet
– wo gibt es nur dieses fantastischen, bestickten Gürtel?!
Das alles fast unverschämt kurz oder weich das Knie umspielend oder auch den Körper bis zu den Zehen ent- und verhüllend. Alles so
unschuldig und doch für den Betrachter lasziv, dass es eine wahre Wonne ist nur zu schauen, zu schauen, zu schauen. Es wäre eine Sünde, dieses Geschöpf zu berühren, den Zauber zu
zerstören.
Ach, was rede ich da! Niemand kann ihren Zauber zerstören, denn sie ist stark, muß stark sein.
Ich kann es kaum erwarten, dass ihre Augen wissend schauen, dass sie erwacht, daß
sie begreift.
Sie ist dann keine Puppe mehr, keine Maschine, kein Ding. Sie wird Charakter haben.
Sie wird dann noch schöner, noch bezaubernder, noch verführerischer sein.
Ich freue
mich schon darauf. Komm her, Chii! Erwache!
Gabriele Fleischhacker 28.10.2003
|